Christian Schega ist Produzent, Filmgeschäftsführer und als Projektbetreuer an der Filmakademie Ludwigsburg tätig. Mit langjähriger Erfahrung in der Filmbranche – von internationalen Produktionen bis hin zu kleineren, unabhängigen Projekten – ist er mit den Abläufen und Herausforderungen am Set bestens vertraut. In einem ausführlichen Gespräch mit uns sprach er über seine Erfahrungen, den Reiz der Branche und die Schwierigkeiten, die den Produktionsalltag oft begleiten.
Wie alles begann: Der Weg in die Filmbranche
Die Begeisterung für Film begann für Christian Schega schon früh. „Ich habe als Kind die Videokamera meines Vaters entdeckt und erste Filmchen gedreht.“ Ein entscheidender Moment war die Eröffnung eines Bürgerfernsehsenders in seiner Heimatstadt: „Dort konnte man Kameras ausleihen, schneiden, ausprobieren – damals noch alles analog.“
Über einen kleinen Umweg – eine Ausbildung in Veranstaltungstechnik – führte ihn sein Weg schließlich nach Salzburg, wo er „Multimedia Art“ studierte. Das Studium, das eine breite Palette von Disziplinen abdeckte, half ihm, seinen Platz in der Filmbranche zu finden: „Ich habe vorher alles gemacht – Webseiten programmiert, 3D-Animationen, Musik produziert – und konnte mich nicht festlegen. Dann habe ich gemerkt: Produktion ist mein Ding.“
Mit diesem Ziel ging es weiter zur Filmakademie Ludwigsburg, wo er 2015 sein Diplom machte. Heute arbeitet er als freier Produzent und Produktionsleiter und ist zudem an der Filmakademie als Projektbetreuer tätig.
Film ist Teamsport – aber mit vielen Stolpersteinen
Christian beschreibt Filmproduktion als eine Mischung aus kreativer Vision, präziser Organisation und oft auch purem Improvisationstalent. „Film ist Teamsport. Man arbeitet mit kreativen Menschen zusammen – oft international – und hat ein gemeinsames Ziel: den besten Film aller Zeiten zu machen.“
Doch die Realität ist oft komplizierter: Budgets sind knapp, Drehzeiten straff kalkuliert, und am Set läuft selten alles nach Plan. Eine große Herausforderung sind die Arbeitszeiten, besonders wenn Zeitdruck entsteht. „Manchmal hat man nur diesen einen Drehtag an einer bestimmten Location. Wenn dann etwas schiefläuft, bleibt nur die Entscheidung: Szene streichen oder in die Überstunden gehen.“
Das Problem dabei: Überstunden bedeuten nicht nur zusätzliche Kosten, sondern setzen auch eine Zustimmung des Teams voraus. Gleichzeitig gibt es in der Branche Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, etwa durch eine 4-Tage-Woche. Eine Idee, die Christian kritisch sieht: „Das macht es noch schwerer, bei immer knapper werdenden Budgets, einen Film effizient zu drehen.“
Kommunikation in der Filmproduktion: Ein ständiges Hindernis?
Ein weiteres Thema, das sich durch jede Produktion zieht, ist die Kommunikation. Verschiedene Kanäle – E-Mail, Telefon, WhatsApp-Gruppen, Produktionssoftware – führen oft zu einem unübersichtlichen Informationsfluss.
„Manche lesen ihre E-Mails nur einmal die Woche, andere wollen nur telefonieren. Am Ende wiederholt man alles mehrfach.“ In einer Produktion versuchte sein Team, ein digitales Kommunikationstool zu nutzen – mit mäßigem Erfolg. „Ein paar Leute haben es aktiv genutzt, der Rest meinte: ‚Schick mir doch eine Mail.‘“
Dieses Problem kennt auch Relionite: Die Software soll Filmteams helfen, Arbeitsprozesse zu optimieren, ohne sie unnötig zu verkomplizieren. Eine Software, die nicht nur Informationen zentralisiert, sondern auch das Durcheinander von Kommunikationswegen minimiert.
Dreharbeiten im Ausland: Kulturelle Unterschiede und unerwartete Probleme
Christian hat an Drehs in den USA, Indien, Ruanda, Österreich und Portugal mitgewirkt und mit internationalen Crews in Deutschland gearbeitet. Dabei fielen ihm einige Unterschiede im Arbeitsalltag auf.
- Arbeitszeitregelungen für Kinder: In Deutschland sind Kinderdrehs extrem reglementiert – maximal drei Stunden Drehzeit pro Tag. „In anderen Ländern wie Polen oder Italien dürfen Kinder – je nach Alter – länger vor der Kamera stehen, was oft einen großen Unterschied macht.“.
- Unterschiede in der Set-Kultur: In den USA sowie in anderen Ländern gibt es das „First-AD-System“, bei dem der erste Regieassistent auch die Set-Organisation übernimmt. In Deutschland sind diese Aufgaben auf zwei Rollen verteilt: Regieassistenz und Set-Aufnahmeleitung.
- Italienische Catering-Gewohnheiten: Während in Deutschland ein durchgehendes Set-Catering üblich ist, setzen italienische Crews auf Spesen – sie gehen abends essen. Problematisch, wenn der Drehort mitten im Schwarzwald liegt und alle Restaurants um 18 Uhr schließen. „Die Italiener waren völlig aufgelöst: ‚Wo sollen wir jetzt essen?‘
Improvisation als Schlüsselkompetenz
Egal, ob es um Drehverzögerungen, technische Pannen oder unvorhergesehene Probleme geht – Improvisation ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Filmbranche.
„Ein Kollege aus der Veranstaltungstechnik hat mal gesagt: Um 20 Uhr geht der Vorhang auf – egal, was vorher passiert ist. Das ist auch beim Film so: Die Zuschauer interessiert es nicht, ob es am Set Probleme gab. Der Film muss funktionieren.“
Diese Einstellung hilft auch bei alltäglichen Problemen, wie sie an jedem Set auftreten: „Manchmal klappt eine Location nicht wie geplant, manchmal fehlt eine Requisite – dann muss man einfach eine Lösung finden.“
Kinder am Set: Strenge Regeln in Deutschland
Ein besonderes Thema sind Dreharbeiten mit Kindern. „In Deutschland sind die Regelungen strenger als fast überall sonst. Ein Kind darf nur drei Stunden drehen, insgesamt nur fünf Stunden am Set sein.“
Viele Produktionen lösen dieses Problem, indem sie Zwillinge für Hauptrollen besetzen. „So kann das eine Kind vormittags drehen, das andere nachmittags – und das Team kann normal weiterarbeiten.“
Doch selbst mit solchen Lösungen bleibt die Kinderarbeit am Set eine Herausforderung – vor allem finanziell: „Es heißt ja nicht umsonst: Drehe nie mit Kindern oder Tieren. Beides ist sehr teuer.“
Fazit: Zwischen Leidenschaft und strukturellem Chaos
Christian Schegas Einblick in die Filmbranche zeigt: Filmproduktion ist ein Balanceakt zwischen strukturiertem Arbeiten und kreativer Freiheit, zwischen Improvisation und Planung.
Ob Arbeitszeiten, internationale Unterschiede oder die ständige Herausforderung der Kommunikation – die Filmbranche steht vor vielen strukturellen Problemen, die es zu lösen gilt. „Am Ende sieht das Publikum nur das fertige Produkt – nicht das Chaos dahinter. Und das ist auch gut so.“
Doch nur weil der Zuschauer es nicht sieht, sollten die Filmcrews sich mit dem Chaos arrangieren müssen. Mit Relionite wollen wir dazu beitragen, Filmproduktion transparenter und effizienter zu machen – damit Filmemacher sich wieder auf das konzentrieren können, worum es wirklich geht: Das Erzählen großartiger Geschichten.